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Groß- und Außenhandelskaufleute lernen in Duderstadt und Holzminden künftig digital

Kultusministerin Heiligenstadt überreicht für Modellprojekt 143.000 Euro-Förderbescheid in der BBS Duderstadt


Pressemitteilung der HAWK


Gerrit Klinge hat ein Bild vor Augen: „Ich stelle mir vor, wie meine Schülerin Melanie vor dem Rechner sitzt, Angebots- und Nachfragekurven verschiebt und dabei erkennen kann, wie sich der Preis verändert.“ Die Vorstellung des Wirtschafts-Lehrers an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Duderstadts wird keine bloße Zukunftsvision bleiben. Denn im Rahmen des Südniedersachsenprogramms fördert das Land Niedersachsen mit EU-Mitteln in Höhe von rund 143.000 Euro einen Modellversuch an den Holzmindener und Duderstädter Berufsschulen, um die Klassenzimmer beider Schulen künftig virtuell zu erweitern. „Blended Learning“ stellt ein in den normalen Unterricht integriertes Lernangebot dar, das von einem Projektkonsortium erarbeitet wird.

Blended Learning funktioniert besonders gut im Verbund: Die Lehrerinnen und Lehrer sind Profis in didaktischen Methoden, im Vermitteln des Lernstoffs, das Institut für Lerndienstleistungen liefert die Mediengestaltung, Medientechnik und Mediendidaktik. Duderstadt 2020 und die IHKen werden im Projekt für die Zusammenarbeit mit Unternehmen zuständig sein. Denn mit Videos beispielsweise kann die Praxis im Ausbildungsbetrieb Bestandteil des Schulunterrichts werden.

Während sich Gerrit Klinge ganz konkret neue didaktische Möglichkeiten verspricht, geht es bei dem Ansatz, der Berufsbildende Schulen, die IHKen Göttingen und Hildesheim, die HAWK in Holzminden, das Institut für Lerndienstleistungen der FH Lübeck und das Modellprojekt Duderstadt 2020 zusammengebracht hat, um weitaus mehr. Denn in Duderstadt, wo man im Wettbewerb mit den wenig entfernten Göttinger Schulen steht, braucht BBS-Schulleiterin Sabine Freese Konzepte, die das Überleben ihres Standortes auch langfristig sichern.

Für Holzmindens Schulleiter Andreas Hölzchen dagegen kommt es vor allem darauf an, ein möglichst großes Ausbildungsangebot aufrecht zu erhalten, um ein breites Spektrum an Betrieben im Weserbergland bedienen und damit letztlich auch erhalten zu können. Den Berufsbildenden Schulen komme strukturell eine entscheidende Schlüsselfunktion zu, ist sich Alexandra Engel, Direktorin des Zukunftszentrums Holzminden-Höxter (ZZHH) sicher. „Die BBS bilden eine regionale Schlagader“, sagt sie, „solange wir ausbilden und Fachkräfte sichern, wird der ländliche Raum auch pulsieren.“ Engel hat die verschiedenen Beteiligten an einen Tisch gebracht und in Zusammenarbeit mit dem Projektbüro Südniedersachsen die Fördermöglichkeiten ausgelotet. Ein langer Prozess, bei dem nun mit den Fördermitteln von EU und dem Land Niedersachsen ein erster Test im Ausbildungsbereich Groß- und Außenhandel gestartet werden kann.




 
v. l. Professorin Alexandra Engel (ZZHH der HAWK), Andreas Hölzchen (BBS Holzminden), Sabine Freese (BBS Duderstadt) und Kultusministerin Frauke Heiligenstadt informieren sich über das E-Learning-Programm
 
Kultusministerin Frauke Heiligenstadt überreicht HAWK-Dekanin und Direktorin des ZZHH Prof. Dr. Alexandra Engel den Bewilligungsbescheid für die Fördermittel

Speziell dieser Ausbildungszweig als Modell kommt nicht von ungefähr, weiß auch Kultusminsterin Frauke Heiligenstadt, die in der BBS Duderstadt bei der Übergabe des Bewilligungsbescheides die Gründe für die Landesförderung noch einmal auseinandersetzte. Denn einerseits, so die Ministerin, seien die Kaufleute aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer Vorqualifikation besonders technikinteressiert. Andererseits gibt es sowohl in Duderstadt als auch in Holzminden zwar weltweit operierende Betriebe, die solche Kaufleute dringend brauchen, die dortigen Berufsbildenden Schulen können aber aufgrund des ansonsten strukturschwachen regionalen Umfeldes und der Folgen des demographischen Wandels die erforderlichen Klassenstärken insgesamt nicht immer erreichen.

„Blended Learning“ könnte dafür eine Lösung bieten. Mit dem Versuch, über digitales Lernen wichtige Bildungsangebote wohnortnah auch weiter zu realisieren und dabei überörtliches Lernen mit einer örtlichen Identität zu verbinden, sollen beide Städte als Wirtschafts- und als Schulstandorte attraktiv bleiben. Kein Wunder also, dass auch Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte und die Landrätin des Landkreises Holzminden, Angela Schürzeberg, dem Projekt nur Positives abgewinnen können. „Für uns in der gesamten Region sind Krippen, Grundschulen und der Sekundarbereich I und II besonders wichtig. In diesem Konzert haben die Berufsbildenden Schulen ihre herausragende Bedeutung“, meinte Nolte. Es sei ungeheuer wichtig, ergänzte Schürzeberg, dass der ländliche Raum attraktiv bleibe für junge Menschen. Ein solches E-Learning-Programm trage dazu erheblich bei.

Das Zukunftszentrum Holzminden-Höxter der HAWK wird das Projekt auch forschend in den nächsten zwei Jahren weiter begleiten. Denn sollte sich die neue Lernform im Praxisumfeld tatsächlich bewähren, weiß Prof. Dr. Alexandra Engel, müsste noch konsequenter umgedacht und ein größeres Projekt daraus gestrickt werden.

Bis dahin sollte Melanie nicht einfach nur Angebots- und Nachfragekurven verschieben, sondern bei Verständnisfragen tatsächlich den entsprechenden Button im Programm drücken. „Und dann“, so Gerrit Klinge, „bin ich persönlich für sie da.“

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